Welche Impfungen benötigt mein Pferd?

Inhaltsübersicht


Vorwort

Infektionskrankheiten verlaufen beim Pferd selten harmlos. Manche sind hochansteckend, andere fast immer tödlich. Impfungen gehören deshalb zu den wichtigsten Bausteinen der präventiven Gesundheitsvorsorge.

Doch welche Impfungen sind wirklich notwendig? Und worauf basieren diese Empfehlungen eigentlich?

Die Grundlage bildet die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet). Dieses unabhängige Expertengremium wurde 2006 vom Bundesverband praktizierender Tierärzte gegründet, um Tierärztinnen und Tierärzten wissenschaftlich fundierte Leitlinien zur Verfügung zu stellen.

An der Erarbeitung der Impfempfehlungen waren neben Vertreterinnen und Vertretern tiermedizinischer Ausbildungsstätten auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), die Bundestierärztekammer (BTK), die Fachgruppe Pferdemedizin der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG), die Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM) sowie der Bundesverband Praktizierender Tierärzte beteiligt.

Die Empfehlungen beruhen damit auf einem breiten wissenschaftlichen Konsens und werden regelmäßig an den aktuellen Stand der Forschung angepasst.

Im Folgenden schauen wir uns an, welche Impfungen für jedes Pferd empfohlen werden – und welche vom individuellen Risiko abhängen.

Warum Impfungen beim Pferd so wichtig sind

Impfungen gehören zu den wirksamsten Maßnahmen, um Infektionskrankheiten zu verhindern und ihre Ausbreitung im Bestand zu begrenzen.

Ziel ist es, jedes Pferd so oft wie nötig zu impfen, um einen belastbaren Schutz aufzubauen – für das einzelne Tier, für den Bestand und langfristig für die gesamte Pferdepopulation. Infektionsschutz ist immer auch Gemeinschaftsschutz.

Eine möglichst vollständige Impfung aller Pferde im Bestand spielt dabei eine zentrale Rolle. Nur wenn ein hoher Immunisierungsgrad erreicht wird, lassen sich Infektionsketten wirksam unterbrechen.

Grundlage jeder Impfentscheidung ist das regelmäßige Impfgespräch mit der betreuenden Tierärztin oder dem Tierarzt. Dabei werden individuelle Faktoren wie Alter, Nutzung und Gesundheitsstatus ebenso berücksichtigt wie Haltungsbedingungen und regionale Risikosituationen. Vor jeder Impfung ist die Impffähigkeit des einzelnen Pferdes zu prüfen – geimpft werden sollten ausschließlich gesunde Tiere.

Eine vollständige Grundimmunisierung ist dabei Voraussetzung für einen zuverlässigen Langzeitschutz. Unvollständige oder unterbrochene Impfschemata führen häufig zu einem unzureichenden Immunschutz.

Impfstoffe werden in Core- und Non-Core-Komponenten unterteilt.
Core-Impfungen richten sich gegen Erreger, vor denen jedes Pferd jederzeit geschützt sein sollte – insbesondere gegen Erkrankungen mit hoher Sterblichkeit oder schwerem Verlauf. Non-Core-Impfungen werden risikobasiert eingesetzt, wenn ein erhöhtes Expositionsrisiko besteht.

Die Impfempfehlungen beruhen auf wissenschaftlicher Evidenz und werden regelmäßig an den aktuellen Stand der Forschung angepasst.

Warum Impfschutz mehr ist als eine persönliche Entscheidung

Kaum ein Thema wird im Pferdebereich emotionaler diskutiert als das Impfen. Aus veterinärmedizinischer Sicht ist die Situation jedoch klar: Impfungen zählen zu den sichersten und effektivsten präventiven Maßnahmen in der Tiermedizin.

Immunologisch betrachtet wird das Immunsystem durch die Impfung gezielt mit abgeschwächten oder inaktivierten Erregerbestandteilen konfrontiert. Der Organismus bildet daraufhin spezifische Antikörper und Gedächtniszellen. Bei einem späteren Kontakt mit dem echten Erreger kann die Abwehr schneller und effektiver reagieren – schwere Krankheitsverläufe werden verhindert oder deutlich abgeschwächt.

Moderne Impfstoffe unterliegen in Deutschland strengen Zulassungs- und Kontrollverfahren. Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität werden unter anderem vom Paul-Ehrlich-Institut überprüft.

Wie jede medizinische Maßnahme können auch Impfungen Nebenwirkungen verursachen. In der Praxis handelt es sich dabei überwiegend um milde, vorübergehende Reaktionen wie lokale Schwellungen oder kurzfristige Temperaturerhöhungen. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind selten und stehen in keinem Verhältnis zum Risiko der jeweiligen Infektionskrankheit.

Wer auf Impfungen verzichtet, reduziert nicht das Risiko – sondern verschiebt es. Die Wahrscheinlichkeit schwerer oder tödlicher Krankheitsverläufe steigt, und gleichzeitig erhöht sich das Risiko für andere Pferde im Bestand.

Die Diskussion um Impfungen ist nachvollziehbar – schließlich geht es um die Gesundheit des eigenen Pferdes. Entscheidungen sollten jedoch auf wissenschaftlichen Daten und einer fundierten Risikoabwägung beruhen, nicht auf Einzelberichten oder persönlichen Eindrücken.


Die Impfampel für Pferde

Stand: 06.01.2025

Impfschemata

Grundimmunisierung (Jungtierimpfung)

Die Grundimmunisierung bildet die Basis für einen belastbaren und langfristigen Impfschutz.
Für die sogenannten Core-Komponenten – also Tetanus, Equine Influenza (EIV) und Equines Herpesvirus (EHV) – besteht sie jeweils aus drei Impfungen.

Eine gleichzeitige, aber örtlich getrennte Verabreichung dieser Impfungen ist möglich. Studien zeigen, dass dadurch eine vergleichbare humorale Immunantwort entsteht wie bei zeitlich versetzter Impfung. Die kombinierte Durchführung kann daher empfohlen werden.

Ab dem 6. Lebensmonat:

  • Tetanus
  • Equine Influenza (EIV)
  • Equines Herpesvirus (EHV)

Im Alter von 7–7½ Monaten
(4–6 Wochen nach der ersten Impfung):

  • Tetanus
  • Equine Influenza (EIV)
  • Equines Herpesvirus (EHV)

Im Alter von 12–14 Monaten
(6–7 Monate nach der zweiten Impfung):

  • Equine Influenza (EIV)
  • Equines Herpesvirus (EHV)

Im Alter von 19–21 Monaten
(12–14 Monate nach der zweiten Impfung):

  • Tetanus
Besonderheiten bei Fohlen

Fohlen aus nicht geimpften Mutterstuten oder Fohlen mit unzureichender Kolostrumaufnahme sollten bereits ab einem Alter von 4 Monaten gegen Tetanus, EIV und EHV geimpft werden.

Auch bei nachweislich niedriger Antikörperkonzentration kann eine frühere Impfung sinnvoll sein.

Dabei ist jedoch zu berücksichtigen:

  • In den ersten Lebensmonaten können maternale Antikörper die Immunantwort beeinflussen.
  • Besonders bei Influenza- und Tetanusimpfstoffen sowie bei inaktivierten EHV-Impfstoffen kann dies die Immunitätsbildung abschwächen.
  • Ziel ist es, die besonders empfindliche Phase zwischen Nachlassen der maternalen Antikörper und hoher Infektionsanfälligkeit zu überbrücken.

Da belastbare Daten zur langfristigen Wirksamkeit einer sehr frühen Impfung begrenzt sind, sollte nach einer vorgezogenen Impfung ab einem Alter von 6 Monaten eine vollständige Grundimmunisierung gemäß dem oben beschriebenen Schema erfolgen.


Wiederholungsimpfungen (Boosterimpfungen, Auffrischungsimpfungen)

Alle 6 Monate:

  • Equine Herpesviren (EHV), Equine Influenzavirus (EIV)*

Alle 2-3 Jahre:

  • Tetanus
Besondere Regelungen für Turnierpferde

Für Pferde, die an Sportveranstaltungen teilnehmen, gelten die Impfbestimmungen der jeweiligen Verbände, z. B. der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Deutscher Galopp (DG) oder des Hauptverbands für Traberzucht (HVT).

Diese Vorgaben – insbesondere zur Influenza-Impfung – sind verpflichtend und Voraussetzung für die Startberechtigung.

* Influenza-Impfung bei geringem Risiko

Bei Pferden mit niedrigem Expositionsrisiko kann ein längeres Impfintervall ausreichend sein. Das betrifft Tiere, die:

  • regelmäßig korrekt geimpft wurden,
  • nicht an Turnieren teilnehmen,
  • keinen Kontakt zu größeren, wechselnden Pferdegruppen haben.

In solchen Fällen kann ein Intervall von bis zu 12 Monaten gegen Influenza genügen.

Die Entscheidung sollte jedoch immer individuell und in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen – unter Berücksichtigung von Haltung, Nutzung und Bestandsstruktur.


Impfung trächtiger Stuten

Während der Trächtigkeit kommt der Impfung eine besondere Bedeutung zu. Ziel ist es, sowohl die Stute selbst zu schützen als auch das ungeborene Fohlen indirekt über maternale Antikörper abzusichern.

Herpesvirus (EHV-1)

Zur Reduktion des Risikos EHV-1-bedingter Aborte werden Impfungen im Verlauf der Trächtigkeit empfohlen. Je nach zugelassenem Impfstoff sind folgende Impfschemata vorgesehen:

  • im 4.–5. und 8. Trächtigkeitsmonat (Prevaccinol)
    oder
  • im 5., 7. und 9. Trächtigkeitsmonat (Equip EHV 1,4)
    oder
  • im 2., 5. bzw. 6. und 9. Trächtigkeitsmonat (BioEquin H/ EquiShield EHV)

Welches Schema angewendet wird, richtet sich nach dem verwendeten Impfstoff und den Herstellerangaben. Innerhalb einer Trächtigkeit sollte möglichst derselbe Impfstoff für die Wiederholungsimpfungen verwendet werden.

In Deutschland ist sowohl eine Lebendvakzine gegen EHV-1 als auch inaktivierte Impfstoffe zugelassen. Die Lebendvakzine ist jedoch nicht speziell zur Abortprävention zugelassen. Vergleichende Untersuchungen zeigen, dass ihre Wirksamkeit in etwa der inaktivierten Vakzine entspricht, die ausdrücklich zur Prävention EHV-1-induzierter Aborte zugelassen ist.

Wichtig:
Die Impfung trächtiger Stuten zur Übertragung maternaler Immunfaktoren erfolgt nach Herstellerangaben. In der Regel werden zwei bis drei Impfstoffapplikationen während der Trächtigkeit durchgeführt. Die letzte Impfung sollte möglichst geburtsnah erfolgen, um die Antikörperkonzentration im Kolostrum zu maximieren.

Influenza (EIV)

Zusätzlich wird eine Influenza-Auffrischung im letzten Drittel der Trächtigkeit empfohlen:

  • im 4.–5. sowie im 10.–11. Trächtigkeitsmonat

Ziel ist auch hier eine möglichst hohe Antikörperkonzentration im Kolostrum, um dem Fohlen in den ersten Lebenswochen einen passiven Schutz zu vermitteln


Wie lange sollte mein Pferd nach der Impfung pausieren?

Eine feste gesetzliche Vorgabe zur Trainingspause nach einer Impfung gibt es nicht. Die Impfleitlinien empfehlen jedoch, geimpfte Pferde aufmerksam zu beobachten und unnötige Belastung in den ersten Tagen zu vermeiden.

In der Praxis gilt:

  • 1–3 Tage reduzierte Belastung sind sinnvoll
  • kein intensives Training direkt am nächsten Tag
  • kein Turnierstart unmittelbar nach der Impfung
  • Transport und starken Stress möglichst vermeiden

Warum?
Nach der Impfung setzt sich das Immunsystem aktiv mit dem Impfstoff auseinander. In dieser Phase kann es zu milden, vorübergehenden Reaktionen kommen, zum Beispiel:

  • leichte Schwellung an der Injektionsstelle
  • kurzfristig erhöhte Temperatur
  • Mattigkeit oder reduzierte Leistungsbereitschaft

Diese Reaktionen sind meist harmlos und klingen innerhalb weniger Tage ab. Dennoch sollte das Pferd in dieser Zeit nicht voll belastet werden.

Wichtig:
Vor allem bei Turnierpferden empfiehlt es sich, Impfungen so zu planen, dass mehrere Tage Abstand zum nächsten Start bestehen. So bleibt genügend Zeit, eventuelle Impfreaktionen abklingen zu lassen.

Im Zweifel gilt: Lieber einen Tag länger ruhig arbeiten als zu früh wieder volle Leistung verlangen.


Kurzinformationen zu einzelnen Erkrankungen

Dermatomykosen (Hautpilz, Flechte)

Symptome:

Eine Dermatomykose bei Großtieren gilt als selbstlimitierende Erkrankung. Ohne Behandlung dauert sie in der Regel 1 bis 6 Monate. Die Inkubationszeit beträgt 4 bis 30 Tage. Zu Beginn zeigt sich die Krankheit durch kleine Quaddeln und juckende Hautschwellungen, wobei die Haare aufgerichtet sind, der Haaransatz jedoch verklebt. Die Haare können büschelweise ausfallen und sind brüchig. Es entstehen kreis- oder fleckenförmige kahle Stellen mit oberflächlicher Entzündung, die sich im Verlauf vergrößern können. Juckreiz tritt nicht immer auf. Einige Tage später bilden sich Krusten und Schuppen durch Flüssigkeitsaustritt und Ablösung der Haut. Sekundäre bakterielle Infektionen können weitere Komplikationen verursachen. Beim Pferd treten die Veränderungen vor allem am Rücken, unter Sattel und Gurt, an Schulter, Flanken, Kruppe, Hals und Kopf auf. Mähne und Schweif sind selten betroffen.

Therapie:

Die Therapie einer Dermatomykose umfasst drei zentrale Maßnahmen: die Behandlung des betroffenen Pferdes, die Reduktion der Sporen in der Umgebung sowie gegebenenfalls den Einsatz einer Impfung.

Äußerliche Therapie

Fungizide Präparate (z. B. Enilconazol 0,2 %) werden als Waschlösung oder lokal angewendet. Vor der Behandlung sollten die betroffenen Hautstellen gereinigt und gegebenenfalls geschoren werden, damit das Medikament ausreichend einwirken kann.

Die Anwendung muss konsequent und über mehrere Wochen erfolgen – auch über das sichtbare Abheilen hinaus, insgesamt bis zu etwa sechs Wochen.

Gerade bei großflächigem Befall wird häufig das gesamte Pferd gewaschen. Besonders im Winter ist dabei weniger das Waschen selbst als vielmehr das vollständige Trocknen eine Herausforderung. Zudem sind wiederholte Anwendungen notwendig, und bei ausgedehntem Befall können betroffene Stellen leicht übersehen werden.

Umgebungsbehandlung

Da Pilzsporen in der Umwelt lange überleben können, ist eine konsequente Hygienemaßnahme unerlässlich. Putzzeug, Halfter, Satteldecken und Stallbereiche müssen regelmäßig gereinigt und dekontaminiert werden. Diese Maßnahmen sollten wöchentlich durchgeführt und bis mindestens drei Wochen nach Abklingen der Symptome fortgesetzt werden.

Impfung

Der Einsatz zugelassener Impfstoffe kann die Heilung beschleunigen. In der Regel sind zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen ausreichend, in hartnäckigen Fällen kann eine dritte Impfung erforderlich sein.

Grundsätzlich kann eine Pilzinfektion auch spontan ausheilen. Dieser Prozess dauert jedoch häufig mehrere Monate. In dieser Zeit besteht Ansteckungsgefahr für andere Pferde – und teilweise auch für Menschen. Zudem sind betroffene Tiere in dieser Phase nicht turnierfähig. Eine aktive Behandlung ist daher dringend zu empfehlen.

Wichtig: Alle Pferde mit Kontakt zum erkrankten Tier sollten in die Maßnahmen einbezogen werden. Bei gehäuftem Auftreten im Bestand ist eine Behandlung aller Pferde sinnvoll.

Die Übertragung der Dermatophyten erfolgt entweder direkt von Tier zu Tier, gelegentlich von Tier auf Mensch oder selten von Mensch auf Tier, oder indirekt über Stallgeräte, Putz- und Sattelzeug, Pferdedecken, Ektoparasiten sowie Transportfahrzeuge.

Prophylaxe/Impfung:

Grundsätzlich sollte für jedes Pferd eigenes Equipment verwendet werden, insbesondere Putzzeug, Satteldecken oder Abschwitzdecken. So lässt sich das Risiko einer Erregerübertragung deutlich reduzieren.

Zur aktiven Immunisierung gegen Dermatomykosen stehen Impfstoffe zur Verfügung. Dabei ist jedoch wichtig zu wissen: Die derzeit verfügbaren Vakzinen verhindern eine Infektion mit Dermatophyten nicht vollständig. Ihr Ziel ist vielmehr die Reduktion des Risikos einer klinisch sichtbaren Erkrankung sowie die Beschleunigung der Abheilung bestehender Hautveränderungen.

Der Impfschutz setzt etwa fünf Wochen nach der ersten Impfung ein. Die Schutzdauer beträgt laut Herstellerangaben mindestens neun Monate.

Druse

Symptome:

Die Druse ist eine hoch ansteckende bakterielle Erkrankung der oberen Atemwege.

Typisch ist zunächst hohes Fieber (bis 40–41 °C), gefolgt von Apathie, Appetitlosigkeit und serösem, später eitrigem Nasenausfluss.

Charakteristisch sind schmerzhafte Schwellungen der Lymphknoten im Kehlgang- und Ganaschenbereich. Diese können abszedieren und nach außen oder in die Luftsäcke aufbrechen. In schweren Fällen kommt es zu Atemnot oder Schluckbeschwerden durch Verengung des Rachenraums.

Die Inkubationszeit beträgt meist 3–8 Tage (teilweise bis 14 Tage).

In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung komplikationslos und heilt innerhalb von 2–4 Wochen ab. Etwa 20 % der Pferde entwickeln jedoch Komplikationen, darunter:

  • Luftsackvereiterung
  • metastatische Abszesse in anderen Organen („metastatische Druse“)
  • immunvermittelte Komplikationen wie Petechialfieber

Selten endet die Erkrankung tödlich.

Therapie:

In unkomplizierten Fällen genügt:

  • konsequente Isolation
  • Stallruhe
  • weiches, feuchtes Futter
  • symptomatische Betreuung

Die Stallruhe sollte eingehalten werden, bis das Pferd mindestens 5–7 Tage fieberfrei ist.

Antibiotika (z. B. Penicillin über mindestens 5 Tage) sind nur bei schweren Verläufen, anhaltendem Fieber oder Komplikationen angezeigt. Eine frühe antibiotische Behandlung im Anfangsstadium kann die Abszessreifung verhindern und zu einer sogenannten „kalten Druse“ führen.

Bei Luftsackvereiterung sind endoskopische Spülungen notwendig. Reife Abszesse werden unterstützt zur Eröffnung gebracht oder chirurgisch eröffnet.

In schweren Fällen (z. B. metastatische Druse, Petechialfieber) ist die Prognose vorsichtig bis ungünstig.

Druse ist weltweit verbreitet und hochkontagiös.

Die Übertragung erfolgt:

  • direkt über Tröpfcheninfektion (Nasensekret, Husten)
  • indirekt über kontaminierte Gegenstände wie Putzzeug, Futtertröge, Tränkeeimer, Kleidung oder Hände
  • selten über Fliegen

Der Erreger kann in der Umwelt mehrere Tage, unter günstigen Bedingungen sogar länger überleben.

Erkrankte, rekonvaleszente und teilweise klinisch unauffällige Pferde können den Erreger ausscheiden. Einige Tiere bleiben als sogenannte Dauerausscheider über Wochen oder sogar Jahre infektiös, insbesondere bei persistierender Besiedlung der Luftsäcke.

Prophylaxe/Impfung:

Entscheidend zur Eindämmung eines Ausbruchs sind strikte Hygienemaßnahmen:

  • sofortige Isolation infizierter Pferde
  • konsequente Trennung von Personal und Ausrüstung
  • Vermeidung indirekter Kontakte
  • Befolgung der Anweisungen des Bestands-Tierarztes

Eine Eliminierung der Druse aus der Gesamtpopulation ist nicht möglich, Ausbrüche können jederzeit auftreten.

Kommerziell verfügbare Impfstoffe zielen in erster Linie auf die Reduktion klinischer Symptome bei akut gefährdeten Pferden ab. Sie verhindern keine Infektion und bieten nur einen zeitlich begrenzten Schutz über wenige Monate.

Aufgrund der begrenzten Schutzdauer und der – insbesondere bei Lebendimpfstoffen – bekannten Nebenwirkungsrate wird eine generelle prophylaktische Impfung nicht akut gefährdeter Pferde derzeit nicht empfohlen.

Equine Herpesvirus-Infektionen mit Typ 1 + 4

Symptome:

EHV-1 und EHV-4 gehören zu den wichtigsten viralen Atemwegserregern des Pferdes.

EHV-1

Nach kurzer Inkubationszeit (12–48 Stunden) tritt meist Fieber auf, gefolgt von respiratorischen Symptomen (v. a. bei Jungpferden). Klinisch besonders relevant sind:

  • Spätaborte (häufig im letzten Trächtigkeitsdrittel, teils als Abortstürme)
  • Geburt lebensschwacher Fohlen
  • Neurologische Form (EHM) mit Paresen, Ataxie oder Lähmungen, teils mit hoher Letalität

Nach Infektion bleibt das Virus lebenslang im Körper (Latenz) und kann durch Stress (Transport, Turniere, Bestandswechsel) reaktiviert werden.

EHV-4

EHV-4 verursacht vor allem eine Rhinopneumonitis mit milden bis moderaten Atemwegssymptomen:

  • Fieber
  • Nasenausfluss
  • Husten

Im Gegensatz zu EHV-1 bleibt die Infektion meist auf die oberen Atemwege beschränkt. Aborte sind selten.

Therapie:

Ein spezifisch zugelassenes antivirales Tierarzneimittel gibt es nicht. Humanpräparate mit Aciclovir dürfen unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen eingesetzt werden, ihre Wirksamkeit beim Pferd ist jedoch nur begrenzt wissenschaftlich belegt.

Die Behandlung ist daher überwiegend:

  • Schonung und Stallruhe
  • symptomatische Therapie
  • bei bakteriellen Sekundärinfektionen: Antibiotika
  • bei neurologischer Form: intensive unterstützende Behandlung

Bei Aborten oder neurologischen Ausbrüchen sind strenge Hygienemaßnahmen und Isolation zwingend erforderlich.

Prophylaxe/Impfung:

Eine vollständige („sterile“) Immunität wird weder durch Infektion noch durch Impfung erreicht. Die Immunität ist relativ kurzlebig (ca. 3–6 Monate), weshalb regelmäßige Auffrischungsimpfungen notwendig sind.

In Deutschland sind mehrere Inaktivatimpfstoffe sowie ein Lebendimpfstoff gegen EHV-1 zugelassen. Teilweise enthalten Impfstoffe zusätzlich eine EHV-4-Komponente. Aufgrund der engen genetischen Verwandtschaft besteht eine gewisse Kreuzimmunität zwischen beiden Viren.

Wichtig zu wissen:

  • Die Impfung verhindert nicht zuverlässig die Infektion.
  • Sie kann jedoch die Virusausscheidung reduzieren und schwere Verläufe abschwächen.
  • Eine hohe Herdenimmunität ist entscheidend, um Infektionszyklen zu durchbrechen.

Zusätzlich zur Impfung sind Hygienemaßnahmen essenziell:

  • Quarantäne neuer Pferde (mind. 3 Wochen)
  • Trennung tragender Stuten von Jung- oder Besuchspferden
  • Stressreduktion
  • strikte Isolierung im Ausbruchsfall

Große Pferdesportveranstaltungen stellen ein besonderes Risiko dar, da hier viele Pferde unterschiedlicher Herkunft zusammentreffen.

Equine Influenzavirus (EIV)-Infektionen (Hoppegartner Husten, Pferdegrippe)

Symptome:

Die Equine Influenza ist eine hochansteckende virale Atemwegserkrankung.
Nach kurzer Inkubationszeit treten typischerweise auf:

  • plötzliches, hohes Fieber
  • trockener, später feuchter Husten
  • seröser bis schleimiger Nasenausfluss
  • Mattigkeit und Leistungsabfall

Die Virusvermehrung erreicht etwa 4–6 Tage nach Infektion ihren Höhepunkt. In der Regel bleibt die Erkrankung auf die oberen Atemwege beschränkt und verläuft selbstlimitierend.

Problematisch sind jedoch bakterielle Sekundärinfektionen, insbesondere bei unzureichender Ruhe (z. B. durch Training oder Transport). Diese können zu schwereren Verläufen führen.

Therapie:

Eine spezifische antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung.

Die Behandlung besteht daher aus:

  • konsequenter Ruhe und Trainingspause
  • symptomatischer Therapie
  • ggf. Fiebersenkung
  • Antibiotikagabe bei bakteriellen Sekundärinfektionen

Ausreichende Erholungszeit ist entscheidend, um chronische Atemwegsschäden zu vermeiden.

Prophylaxe/Impfung:

Die Bekämpfung der Equinen Influenza basiert in erster Linie auf der Impfung.

Wichtig ist, dass der verwendete Impfstoff die von der World Organisation for Animal Health (WOAH, ehemals OIE) empfohlenen Virusstämme enthält. Aktuell sollten Impfstoffe Antigene der H3N8-Florida-Klade 1 und Klade 2 enthalten. Der früher vorkommende Subtyp H7N7 gilt als obsolet.

Da Influenzaviren sich durch sogenannte „antigenic drift“ kontinuierlich verändern, müssen Impfstoffe regelmäßig an die zirkulierenden Stämme angepasst werden.

Wesentliche Punkte:

  • Die Immunität hält etwa 6 Monate an.
  • Regelmäßige Auffrischungsimpfungen sind notwendig.
  • Die Impfung verhindert nicht jede Infektion, reduziert jedoch Virusausscheidung, Krankheitsdauer und Schweregrad.
  • Eine hohe Impfquote im Bestand ist entscheidend, um Ausbrüche einzudämmen.

Große Pferdeansammlungen wie Turniere oder Rennen stellen ein besonderes Risiko dar. Für Turnierpferde gelten zusätzlich die Impfbestimmungen der jeweiligen Verbände (z. B. FN, DG, HVT).

Anmerkung:
Zugelassene Impfstoffe bedeuten, dass sie „sicher“ sind. Da sich Influenza-Viren ständig anpassen und verändern, kann es sein, dass die im Impfstoff verwendeten Stämme zwar sicher, aber nicht mehr aktuell und damit schützend sind. Daher ist hier immer auf eine Aktualität zu achten (z.B. Stand 2024):

Equine Rotavirus-Infektionen

Symptome:

Das Equine Rotavirus ist die häufigste virale Ursache von Durchfällen bei Saugfohlen, insbesondere in den ersten Lebenswochen (v. a. zwischen dem 8. und 15. Lebenstag).

Nach einer Inkubationszeit von 2–6 Tagen treten plötzlich wässrige bis cremige, gelblich-graue Durchfälle mit unangenehmem Geruch auf. Typisch sind:

  • Schwäche und Mattigkeit
  • verminderte Saugaktivität
  • Austrocknung (Exsikkose)
  • ggf. leicht erhöhte Temperatur, selten hohes Fieber

Die Erkrankung dauert meist 4–10 Tage. Während milde Verläufe spontan ausheilen können, kommt es häufig zu bakteriellen Sekundärinfektionen (z. B. mit E. coli), die zu schwerer Dehydratation, Azidose, Septikämie und in schweren Fällen zum Tod führen können.

Therapie:

Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht.

Die Behandlung besteht aus:

  • Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlust (oral oder intravenös)
  • ggf. Korrektur einer metabolischen Azidose
  • bei Verdacht auf bakterielle Sekundärinfektion: systemische Antibiotikatherapie
  • unterstützende Schmerztherapie

Erkrankte Fohlen sollten vorübergehend keine Milch aufnehmen, um die osmotisch bedingte Durchfallproblematik nicht weiter zu verstärken.

Die Prognose ist bei reiner Rotavirus-Infektion vorsichtig bis gut, verschlechtert sich jedoch deutlich bei bakteriellen Komplikationen.

Prophylaxe/Impfung:

Zentrale Bedeutung hat ein konsequentes Hygienemanagement, insbesondere im Abfohlbereich:

  • regelmäßige Reinigung und Desinfektion
  • Vermeidung von Überbelegung
  • kein Einsatz von kontaminiertem Mist zur Düngung
  • Sicherstellung einer ausreichenden Kolostrumaufnahme innerhalb der ersten 6–12 Stunden nach der Geburt

Rotaviren sind sehr widerstandsfähig und können in der Umgebung über Monate infektiös bleiben.

Seit 2012 ist in Deutschland eine inaktivierte Muttertiervakzine zugelassen. Tragende Stuten werden im 8., 9. und 10. Trächtigkeitsmonat geimpft. Ziel ist die Erhöhung maternaler Antikörper im Kolostrum, wodurch das Erkrankungsrisiko und die Schwere der Durchfälle beim Fohlen reduziert werden.

Die Impfung wird insbesondere in Beständen mit nachgewiesenen Rotavirus-Infektionen empfohlen – immer in Kombination mit konsequentem Hygienemanagement.

Equine virale Arteritis (EVA) (Pferdestaupe, Rotlaufseuche)

Symptome:

Die Equine Virale Arteritis (EVA) wird durch das Equine Arteritis-Virus (EAV) verursacht und ist meldepflichtig. Viele Infektionen verlaufen subklinisch.

Nach einer Inkubationszeit von 3–10 Tagen können auftreten:

  • Fieber
  • Ödeme an Unterbrust, Unterbauch, Euter oder Präputium
  • Konjunktivitis („pink eye“)
  • Mattigkeit

Bei trächtigen, seronegativen Stuten kann es zwischen dem 3. und 10. Trächtigkeitsmonat zu Aborten kommen.

Junge Fohlen können schwere, teilweise tödliche Verläufe mit interstitieller Pneumonie oder Enteritis entwickeln.

Bei Hengsten kann eine akute Infektion zu verminderter Fruchtbarkeit führen. Besonders relevant ist, dass einige Hengste persistent infiziert bleiben und das Virus über Wochen bis Jahre mit dem Sperma ausscheiden – sie stellen das wichtigste Virusreservoir dar.

Therapie:

Eine spezifische antivirale Therapie existiert nicht.

Die Behandlung besteht aus:

  • Schonung und Stallruhe
  • symptomatischer Therapie bei Bedarf

Da viele Verläufe mild oder subklinisch sind, steht vor allem das Bestandsmanagement im Vordergrund.

Prophylaxe/Impfung:

Zentrale Bedeutung hat die Kontrolle persistierend infizierter Hengste. Diese müssen regelmäßig serologisch untersucht werden. Bei seropositiven Hengsten ist eine Spermauntersuchung mittels PCR erforderlich, da das Virus über das Sperma übertragen wird.

In Deutschland sind inaktivierte Impfstoffe zugelassen. Die Impfung:

  • schützt vor klinischer Erkrankung
  • reduziert die Virusausscheidung über Nasensekret
  • kann das Risiko von Aborten senken

Ob persistierende Infektionen vollständig verhindert werden können, ist derzeit nicht abschließend geklärt.

Zusätzlich sind hygienische Maßnahmen und zuchtrechtliche Vorgaben (nationale Samenverordnung, EU-Vorschriften) entscheidend, um die Verbreitung zu kontrollieren.

Eine natürliche Infektion führt zu einer langanhaltenden Immunität durch virusneutralisierende Antikörper.

Tetanus (Wundstarrkrampf)

Symptome:

Tetanus wird durch das Neurotoxin von Clostridium tetani verursacht. Die Sporen gelangen über Wunden (z. B. Nageltritt, Kastrationswunden, tiefe Verletzungen) in den Körper und bilden unter anaeroben Bedingungen das Toxin.

Pferde sind besonders empfindlich gegenüber Tetanustoxin.

Nach einer Inkubationszeit von meist 5–10 Tagen treten zunächst lokale Muskelverhärtungen in der Nähe der Wunde auf. Im weiteren Verlauf entwickelt sich ein generalisierter Muskelkrampf mit typischen Anzeichen:

  • steifer Gang
  • „Sägebock-Haltung“
  • ausgeprägte Schreckhaftigkeit
  • Vorfall der Nickhaut
  • Kieferklemme (Trismus)
  • aufgerichtete Ohren
  • Muskelzittern

Die Erkrankung ist stark schmerzhaft. In schweren Fällen kommt es durch anhaltende Muskelkrämpfe zu Atemproblemen oder Kreislaufversagen.

Therapie:

Die Behandlung muss intensiv und frühzeitig erfolgen. Sie umfasst:

  • Gabe von Tetanus-Antitoxin zur Neutralisierung von frei zirkulierendem Toxin
  • Antibiotika zur Bekämpfung der toxinproduzierenden Bakterien
  • chirurgische Wundversorgung
  • Sedativa und Muskelrelaxantien zur Kontrolle der Spasmen
  • Unterbringung in ruhiger, abgedunkelter Umgebung

Bereits an Nervenzellen gebundenes Toxin kann nicht neutralisiert werden. Die Prognose ist daher abhängig vom Stadium der Erkrankung bei Therapiebeginn.

Prophylaxe/Impfung:

Tetanus ist durch Impfung zuverlässig vermeidbar.

Die aktive Immunisierung erfolgt mit einem Tetanus-Toxoid-Impfstoff. Dieser induziert die Bildung neutralisierender Antikörper, die das Toxin vor Bindung an Nervenzellen abfangen.

Nach vollständiger Grundimmunisierung sind Auffrischungsimpfungen je nach Impfstoff im Abstand von 1–3 Jahren empfohlen.

Bei ungeimpften oder unzureichend geschützten Pferden mit frischer Wunde kann eine sogenannte Simultanimpfung erfolgen:

  • sofortiger passiver Schutz durch Tetanus-Serum
  • gleichzeitige aktive Immunisierung durch Toxoidimpfstoff (ortsgetrennt verabreicht)

Die Anwendung von Tetanus-Serum sollte aufgrund möglicher Nebenwirkungen (selten z. B. Serumhepatitis) sorgfältig abgewogen werden und kann vom Antikörpertiter abhängig gemacht werden.

Aufgrund der hohen Letalität und der Umweltpersistenz der Sporen gilt die Tetanusimpfung als unverzichtbare Core-Impfung beim Pferd.

Tollwut (Lyssa)

Symptome:

Tollwut ist eine nahezu immer tödlich verlaufende Virusinfektion, die auch Pferde betreffen kann. Der Erreger gehört zur Gruppe der Lyssaviren und wird meist durch den Biss infizierter Tiere übertragen.

Nach einer Inkubationszeit von etwa 3 Wochen bis mehreren Monaten (23–99 Tage) treten zunächst unspezifische Symptome auf, z. B.:

  • leichte Bewegungsstörungen
  • Verhaltensänderungen
  • Scheuern oder Benagen der Bissstelle
  • kolikartige Erscheinungen

Im weiteren Verlauf kommt es zu neurologischen Ausfällen, Lähmungen und schließlich zum Tod. Die Erkrankung verläuft schnell und ist praktisch immer letal.

Therapie:

Eine Behandlung ist nicht zulässig.

Gemäß Tollwut-Verordnung sind Heilversuche bei tollwutverdächtigen Tieren verboten. Die Diagnose kann nur post mortem durch Virusnachweis im Gehirn gestellt werden.

Prophylaxe/Impfung:

Die Tollwut wird durch Impfung von Haustieren und durch Bekämpfung des Virusreservoirs (insbesondere Wildtiere) kontrolliert.

Deutschland gilt seit 2008 als frei von terrestrischer Tollwut. Das Risiko ist daher sehr gering. Fledermaus-assoziierte Lyssaviren existieren weiterhin, Infektionen bei Pferden wurden in Europa bislang jedoch nicht beschrieben.

Die Impfung von Pferden wird individuell je nach regionalem Risiko, Reiseaktivität oder Haltungsform entschieden.

Nach Impfung entsteht in der Regel eine mehrjährige Immunität.

West-Nil-Virus-Infektionen (Westnilfieber)

Symptome:

Das West-Nil-Virus wird durch Stechmücken (v. a. Culex-Arten) übertragen. Pferde und Menschen gelten als sogenannte Fehlwirte – eine Weiterübertragung vom Pferd auf andere Tiere oder den Menschen findet nicht statt.

Nach einer meist kurzen Inkubationszeit entwickeln etwa 10 % der infizierten Pferde neurologische Symptome infolge einer nicht-eitrigen Enzephalomyelitis. Typische Anzeichen sind:

  • Ataxie und Koordinationsstörungen
  • Muskelschwäche
  • Zittern oder Muskelzuckungen
  • Lähmungserscheinungen
  • Festliegen

Viele Infektionen verlaufen jedoch subklinisch. Die Schwere der Symptome kann stark variieren, in schweren Fällen kann die Erkrankung tödlich verlaufen.

Therapie:

Eine spezifische antivirale Therapie ist nicht verfügbar.

Die Behandlung erfolgt symptomatisch und unterstützend:

  • entzündungshemmende Therapie (z. B. NSAIDs)
  • Sicherstellung von Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme
  • intensive Betreuung bei neurologischen Ausfällen
  • ggf. Klinikaufenthalt mit spezieller Unterbringung (z. B. Sicherheitsbox mit Hängegeschirr)

Unter experimentellen Bedingungen zeigten Interferon-α und monoklonale Antikörper Erfolge, stehen jedoch in der Praxis nicht regulär zur Verfügung.

Prophylaxe/Impfung:

Die Prävention beruht auf zwei Säulen:

  1. Impfung
    • In Deutschland sind inaktivierte Impfstoffe und Vektorimpfstoffe zugelassen.
    • Die verfügbaren Impfstoffe basieren auf Viruslinie 1, schützen aber auch gegen die in Deutschland zirkulierende Linie 2.
    • Die Immunität hält mindestens etwa ein Jahr an.
    • Empfohlen wird die Impfung insbesondere in betroffenen Regionen (v. a. Mitteldeutschland) sowie für Pferde, die in Risikogebiete verbracht werden.
    • Aufgrund der zunehmenden Ausbreitung wird mittelfristig eine flächendeckende Impfung diskutiert.
  2. Vektorkontrolle
    • Einsatz von Repellentien
    • Reduktion von Mückenbrutstätten
    • Stallmanagement zur Minimierung der Exposition

Das West-Nil-Virus ist in Deutschland anzeigepflichtig.

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