Evaluation of safety and the welfare of the horse in the use of a saddle pad with paraffin-oil inserts during ridden exercise, 2025

- Das Kühlpad verursachte keine Druckprobleme unter dem Sattel
- Keine Anzeichen von Schmerz oder Unwohlsein
- Herzfrequenz und Körpertemperatur blieben unverändert
- Auch 15 Tage später: keine Hautschäden
- Kein nachweisbarer Leistungs- oder Kühlungseffekt
Es ist ein warmer Trainingstag.
Der Sattel liegt auf, das Pferd schnaubt leise, die ersten Schrittrunden beginnen. Mit jeder Minute arbeitet die Muskulatur intensiver. Unter dem Sattel sammelt sich Wärme – durch Bewegung, Reibung und das Reitergewicht.
Nach dem Training nimmst du den Sattel ab.
Das Fell darunter ist dunkel, feucht geschwitzt – und deutlich heißer als der Rest des Körpers. Wenn du mit der Hand darüberstreichst, spürst du die aufgestaute Wärme ganz deutlich.
Und genau in diesem Moment kommt die Frage:
Ist das eigentlich noch angenehm für mein Pferd? Oder entsteht unter dem Sattel ein Hitzestau, den wir unterschätzen?
Kein Wunder also, dass ein Kühlpad fürs Pferd immer häufiger eingesetzt wird. Die Idee klingt logisch: Eine gezielte Kühlung unter dem Sattel soll Temperatur regulieren, den Pferderücken entlasten und das Training angenehmer machen.
Doch was bringt ein Kühlpad beim Pferd wirklich?
Reduziert es messbar Stress oder Körpertemperatur?
Oder fühlt es sich nur nach einer guten Lösung an?
Eine aktuelle wissenschaftliche Studie ist genau dieser Frage nachgegangen.
Wie wurde das Kühlpad beim Pferd getestet?
Studienteilnehmer
- 7 Sportpferde (Springpferde im Training)
- 2 Trainingseinheiten pro Pferd
- einmal mit normalem Sattelpad
- einmal mit Kühlpad
Das Kühlpad enthielt Paraffin-Öl, das bei ca. 14–18 °C den Aggregatzustand wechselt und Wärme aufnehmen soll. Hierbei handelt es sich um einen Prototypen, der zum Zeitpunkt der Studie nicht kommerziell erhältlich war.
Unter welchen Bedingungen wurde getestet?
Die Pferde absolvierten eine ganz normale Trainingseinheit – keine Extrembelastung und kein Hitzestress-Test.
Geritten wurde etwa 20 Minuten im Sandviereck. Die Einheit bestand aus:
- Aufwärmen im Schritt und Trab
- Übergängen
- Zirkeln und Richtungswechseln
- Galopparbeit
- anschließendem Abreiten am langen Zügel
Alle Pferde wurden vom selben Reiter mit demselben Sattel geritten. Die Außentemperatur lag im Durchschnitt bei etwa 21 °C – also keine extreme Sommerhitze.
Das bedeutet:
Die Studie zeigt vor allem, dass ein Kühlpad unter normalen Trainingsbedingungen sicher ist. Ob sich unter starker Hitze oder bei längerer, intensiver Belastung andere Effekte zeigen würden, wurde nicht untersucht.
Was wurde gemessen?
Um die Sicherheit der Kühlung unter dem Sattel zu überprüfen, wurden mehrere Parameter erfasst:
❤️ Herzfrequenz
- Durchschnittspuls
- Maximalpuls
- Erholung nach 2 und 5 Minuten
🌡 Körpertemperatur
- Rektale Temperatur vor und nach dem Training
🐎 Rückenbefund & Beweglichkeitsprüfung
Vor und nach jeder Trainingseinheit erfolgte:
- Abtasten des Rückens
- Mobilisationstest
📷 Thermografie vom Pferderücken
Wärmebildaufnahmen zeigten:
- Druckverteilung
- mögliche „Hotspots“
- Hinweise auf Durchblutungsstörungen
👀 Verhaltensanalyse
Ein standardisiertes Schmerz-Ethogramm (nach Dyson) bewertete:
- Rückenreaktionen
- Stresssignale
- Maulbewegungen
Ergebnisse: Verändert ein Kühlpad den Druck unter dem Sattel?
Die Thermografie zeigte:
- Keine ungleichmäßige Wärmeverteilung
- Keine zusätzlichen Druckzonen
- Keine Auffälligkeiten im Vergleich zum normalen Pad
Das bedeutet:
Das Sattelpad mit Kühlung veränderte den Druck unter dem Sattel nicht negativ.
Gerade für Reiterinnen und Reiter, die den Pferderücken schützen möchten, ist das eine beruhigende Nachricht.
Hat das Kühlpad Stress beim Pferd reduziert?
Denn genau darum geht es am Ende: Wird es für das Pferd messbar leichter? Oder bleibt alles beim Alten? Um das zu klären, wurden Herzfrequenz, Erholungswerte und das Verhalten während des Reitens genau analysiert.
Herzfrequenz
Zwischen normalem Pad und Kühlpad gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied.
Verhalten
Kein Pferd zeigte mehr Stress- oder Schmerzsignale.
Körpertemperatur
Keine relevante Differenz.
➡ Das Kühlpad war also weder stressauslösend noch messbar kühlend im Training.
Gab es Nebenwirkungen durch das Kühlpad?
Wichtige Frage beim Thema Pferdewohl:
- Keine Kälteverletzungen
- Keine Hautirritationen
- Keine Muskelverspannungen
- Keine Verschlechterung der Rückenbeweglichkeit
Auch 15 Tage nach dem Einsatz gab es keine Spätfolgen.
Was bedeutet das für Reiterinnen und Reiter?
Wenn du überlegst, ein Kühlpad fürs Pferd im Training zu verwenden:
Gute Nachricht:
Innerhalb der untersuchten Trainingsbedingungen konnte kein negativer Einfluss auf Wohlbefinden oder Druckverteilung festgestellt werden.
Aber:
Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg, dass es:
- die Leistung verbessert
- Stress reduziert
- die Körpertemperatur spürbar senkt
Zumindest nicht unter moderaten Trainingsbedingungen.
Grenzen der Studie
Wichtig für die Einordnung:
- Nur 7 Pferde
- Training bei moderaten Temperaturen (~21 °C)
- Keine Extrem-Hitze-Bedingungen
Es ist also möglich, dass unter sehr heißen Bedingungen andere Ergebnisse auftreten würden.
Fazit für Pferdefreunde
Lohnt sich ein Kühlpad fürs Pferd?
Ein Kühlpad unter dem Sattel ist laut dieser Studie:
✔ sicher
✔ druckneutral
✔ tierwohlverträglich
Aber:
❌ kein belegter Leistungsbooster
❌ kein nachgewiesener Kühleffekt
Wer es nutzen möchte, kann es vermutlich gefahrlos tun – sollte aber realistische Erwartungen haben.
Elisabetta Porzio, Kübra Guidoni, Katia Cappelli, Francesca Beccati,
Evaluation of safety and the welfare of the horse in the use of a saddle pad with paraffin-oil inserts during ridden exercise,
Journal of Equine Rehabilitation, Volume 3, 2025, 100030, ISSN 2949-9054,
https://doi.org/10.1016/j.eqre.2025.100030.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S294990542500012X
